Kunstwerke sind wie ein Spiegel. Oder eine Projektionsfläche. Sie spiegeln ein allgemein gültiges Lebensgefühl wider, aber auch ein sehr persönliches, nämlich meines, dass ich in die Werke hinein gelegt habe. Der Betrachter wiederum geht mit alldem in Resonanz. So entsteht ein Zwiegespräch. Ich liebe dieses Zwiegespräch, diese Anregung zur Auseinandersetzung, zur Bewusstheit und zu neuen Erkenntnissen. Ein sehr komplexer Vorgang.

Wenn ich arbeite habe ich kein Motiv vor Augen, das es abzubilden gilt. Ich folge viel mehr meinem Gefühl, meiner Intuition. Das Ergebnis ist dabei offen. Vielschichtig im übertragenen wie im faktischen Sinne.
Die Funktion der Anregung kann das Werk umso leichter übernehmen, je offener es gestaltet ist. Während des Malvorganges drehe ich die Leinwand in eine andere Richtung, ich arbeite auf dem Boden, mit dem Spachtel wie mit dem Pinsel, mit Händen, Fingern und Füßen. Schicht über Schicht.

Tiefgründiges und Vordergründiges werden intuitiv verbunden. Richtungslos. Es gibt kein Oben, kein Unten. Der gestalterische Prozess verläuft unkontrolliert und mit ungeplantem Ausgang. Farben werden aufgetragen, unterschiedliche Materialien wie Acryl, Lake, Sprays, Pigmente, aber auch gleich wieder abgenommen. Sogar organisches Material wie Pflanzenstängel und Blüten werden verwendet als Symbol des Lebendigen wie des Vergänglichen. Der Prozess ist mal wild und hektisch, dann wieder meditativ. Ich liebe diese gestalterische Vorgehen, dieses überwinden von Konventionen.

Aus der Akzeptanz, im Annehmen der entstehenden „vollkommenen Unvollkommenheit“ erwächst ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, auf der Leinwand wie im Leben. Das ist offensichtlich auch das, warum Menschen unterschiedlicher Wahrnehmung so positiv darauf reagieren.
Aber auch für mich bedeuten diese Bilder in der Komplexität des Lebens Anregungen, um über den eigenen Standpunkt nach zu spüren, um zur Klarheit, zu meiner Perspektive zu kommen.